Die ergoogelte Wirklichkeit. Verschwörungstheorien und das Internet
Michael Schetsche
"Zweimal täglich googeln" empfiehlt Mathias Bröckers in seinem Buch "Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.". Der Band gilt den gutbürgerlichen Medien von FAZ bis Spiegel als Musterbeispiel krankhafter Verschwörungstheorie. Er ist für die Erforschung von Verschwörungstheorien in der Google-Gesellschaft unter zwei Aspekten interessant: Erstens geht der Band auf ein "konspirologisches Tagebuch" zurück, das der Autor zwischen dem 13. September 2001 und dem 22. März 2002 für das Online-Magazin Telepolis verfasst hat; zweitens behauptet Bröckers in der Einleitung zum Buch, dass er für seine Arbeit ausschließlich über das Netz zugängliche Quellen genutzt habe. Hierbei hätte ihm Google unverzichtbare Dienste geleistet.
Der "Fall Bröckers" dient als Aufhänge für die Frage, welche Rolle die Netzwerkmedien bei die Entstehung und Verbreitung von Verschwörungstheorien spielen. Doch Achtung! Verschwörungstheorien sind untrennbar verbunden mit Verschwörungen. Will man diese verstehen, muss man jene kennen. Verschwörungen gibt es historisch so lange, wie es Gesellschaften mit starkem Machtgefälle gibt. In Europa ist uns bereits aus der Antike eine Vielzahl von Verschwörungen bekannt. Und in der jüngeren Vergangenheit sind wir mit diversen Verschwörungen in zahlreichen Staaten der Erde konfrontiert. Die Existenz gesellschaftlich als real anerkannter Verschwörungen ist eine der Ursachen für die Popularität von Verschwörungstheorien, lebensweltlichen Überzeugungssystemen also, welche aktuelle oder historische Ereignisse, kollektive Erfahrungen oder die Entwicklung einer Gesellschaft insgesamt als Folge einer Verschwörung interpretieren.
Doch welches sind die anderen Ursachen für die gegenwärtige Hochkonjunktur des Verschwörungsdenken? Der Beitrag geht nicht nur strukturellen sozialen Ursachen für die Entstehung einer zunehmenden Zahl von Verschwörungstheorien nach, er zeigt auch auf, welchen Beitrag die Netzwerkmedien zur Verbreitung und Akzeptanz des ebenso paranoiden wie realistischen Verschwörungsdenkens in der Google-Gesellschaft leisten.
Eine Langfassung des Artikels findet sich bei Telepolis
