Online-Beratung im Netz. Hilfe oder Scharlatanerie?
Petra Risau und Martin Schuhmacher
Zahlreiche Websites und Portale bieten heute Rat und Hilfe für psychosoziale Probleme, gesundheitliche Störungen und zwischenmenschliche Konflikte. Gibt man »Internet-Beratung« als Suchwort bei Google ein, erhält man rund 146.000 Resultate, das Synonym »Online-Beratung« liefert sogar über 700.000 Ergebnisse, die dieses Thema aufgreifen oder zu Angeboten führen. Neben den i.d.R. kostenfreien Beratungsangeboten von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und gemeinnützigen Organisationen gibt es eine wachsende Zahl honorarpflichtiger Angebote der Freien Berufe sowie kommerzielle Offerten aller Couleur.
Als Vorläufer der Onlineberatung und parallel existierende Alternativen zur face-to-face-Beratung gelten die Brief- und Telefonberatung. Onlineberatung gliedert sich hauptsächlich in E-Mail-, Einzelchat-, Gruppenchat- und Forenberatung. Besondere Merkmale in Abgrenzung zur face-to-face-Beratung sind die computer-vermittelte Kommunikation (cvK) und die daraus resultierende Reduktion von Sinneseindrücken, die sich jedoch teilweise mit Hilfe von Zeichencodes, bspw. durch Emoticons wie dem bekannten Smiley :-) , kompensieren lässt.
Von Onlineberatungsangeboten profitieren insbesondere Menschen, denen die Schwelle für eine face-to-face-Beratung zu hoch ist, sei es aus Angst oder Scham, wegen fehlender Mobilität oder aus zeitlichen Gründen. Einrichtungen und freiberuflich Tätige können durch das Angebot von Onlineberatung ihre Erreichbarkeit für Ratsuchende verbessern und neue Zielgruppen gewinnen. Dabei wird Onlineberatung immer flexibler eingesetzt - nicht nur in der Intervention, sondern zunehmend auch in den Bereich Prävention und Nachsorge.
Suffiziente Konzepte zur Qualitätssicherung von Onlineberatung gibt es bis dato noch nicht. Als zentrale Kriterien gelten neben der transparenten Beschreibung zu Inhalt, Umfang und Trägerschaft des Beratungsangebots und der hinreichenden Qualifikation der Beratenden Sicherheits- und Datenschutzaspekte. Letztere tangieren sowohl den vertraulichen Umgang mit Onlineberatungskontakten innerhalb von Einrichtungen als auch den Schutz vor Fremdzugriffen bei der Übermittlung durch das Internet.
Angesichts der Tatsache, dass die Altersgruppe der heute 14-49jährigen bereits zu über 85% online ist und immer neue Einsatzgebiete für Onlineberatung erschlossen werden (z.B. betriebliche Gesundheitsförderung, „E-Mail-Visite“, E-Government), ist für die Zukunft eine wachsende Bedeutung zu erwarten. Dadurch wird auch der Notwendigkeit adäquater Medienkompetenzen sowohl der Ratsuchenden als auch der Beratenden wachsendes Gewicht zukommen.
