Neue Kompetenzen im Internet
Nina Degele
Das Internet gilt als medientechnische Revolution kurz vor der der Jahrtausendwende: es transportiert alles, was sich in digitale Form pressen lässt: schnell, viel, überall. Gleichzeitig klagen PädagogInnen, Kulturkritische und schlichte Gemüter über eine Informationsflut, die nicht mehr zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn zu bewältigen sei.
Wollen diese Menschen keine zusätzlichen Informationen, kein neues Wissen mehr? Weil das Internet den Zugang zu Information und das Handling von Kommunikation auf eine so dramatische Weise beschleunigt und vervielfältigt, bleibt für die ursprünglich damit einmal verfolgten Zwecke - Informationen beschaffen und austauschen - kaum noch Zeit; das Vorspiel wird das Eigentliche. Was also lohnt sich zu wissen und was nicht? Und: Wälzt das Internet alles um? Bleibt nichts mehr vom Wissen, wie es ist?
Ich plädiere in diesem Beitrag für eine differenziertere Betrachtung einiger mehrfach postulierter Umwälzungen: Hinsichtlich der Kommunikationsmöglichkeiten ist das Internet ein konservatives Medium, das etablierte und eingespielte Regeln und Routinen kommunikativen Handelns nicht aus den Angeln hebt, sondern eher verfestigt.
Was dagegen den Umgang mit Informationen betrifft, entfaltet das Internet sein eigentliches transformatives Potenzial: es informiert Wissen, gießt Wissen in eine neu, verarbeitungsfreundliche und konsumierfähige Form. Es geht mit anderen Worten um das kompetente Handling von Information und Kommunikation, und das heißt heute: Selektion und Aussonderung durch Abwehr und Vermeidung.
